13. Januar 2009 - Der Wahnsinn hat einen Beruf: Vermieter
Dienstag, Januar 13th, 2009 | don't impose - die Höflichkeitskolumne
Von außen macht das Haus keinen schlechten Eindruck. Gut gelegen, sauber verputzt, auch das gepflegte Treppenhaus bereitet uns nicht auf das vor, was uns im Inneren der Wohnung erwarten wird.
Ein älterer Herr, später wird er uns erzählen, dass er die Siebzig bereits überschritten habe, öffnet die Tür. Für wenige Sekunden bin ich von den weißen Flecken auf der Vorderseite seiner Hose abgelenkt.
„Entschuldigen Sie die Unordnung“, sagt er, „die jungen Herren, die hier wohnen, sind nicht die ordentlichsten.“ Das wird mir auch klar, als ich bereits bei meinem dritten Schritt hinter der Wohnungstür einen Ausfallschritt um mehrere bereits faulende Pizzakartons machen muss. Wir schlängeln uns um Bierflaschen, Coladosen, Aschenbecher und verfaulendes Obst. Einsam steht eine einblättrige Yuccapalme in der Ecke, sie sieht aus als hätte sie seit der Regierung Kohls kein Wasser mehr bekommen.
„Sie müssen das wirklich entschuldigen, das sind Studenten. Die haben kein Geld für ordentliche Möbel“, versucht der Vermieter die Matratzen auf dem Boden zu erklären. „Und die müssen ja so viel lernen. Dauernd sind die unterwegs. Kein Wunder, dass die keine Zeit haben, hier mal aufzuräumen. Bis spät in die Nacht sitzen die in der Bibliothek. Da fehlt halt auch eine Frau, die das macht. Dafür sind Frauen ja da.“ Und dann wendet er sich zu meinem Freund, der sich die Wohnung mit anschaut. „Aber da haben Sie ja Glück. Sie haben ja eine Frau, die aufräumen kann. Kann Sie auch kochen?“, lacht er sich in seinen Bauch. Dann schaut er mich das erste Mal an. „Sie sieht wohl so aus…“
Angeredet hat er mich bis zu diesem Zeitpunkt sowieso noch nicht. „Sie sind doch nicht etwa schwanger?“, fragt er mich abrupt. „Nein, bin ich nicht. Wieso?“, frage ich. „Ach, ich dachte nur“, sagt er und schaut auf meinen Bauch. „Kinder gehen hier sowieso nicht. Da müssten wir erst ‘nen Mauerdurchbruch machen, und das nur für die Pänz. Und laut sind die auch noch. Nee, das geht nicht.“
Ich trete an ein Fenster. Von weitem sah es aus, als hätte sich am Rand Feuchtigkeit angesammelt. Ich fahre mit meinem Finger darüber. „Lassen Sie das mal! Schmieren Sie nicht das ganze Fenster voll!“ Ich schlucke. „Kann es sein, dass die Fenster nicht ganz dicht sind?“, frage ich. „Kann es sein, dass Sie als Frau von sowas eh keine Ahnung haben?“. Es reicht. „Die Wohnung kommt für uns leider nicht in Frage“, sage ich. So einen Vermieter möchte sich doch niemand bewusst aussuchen…
5 Kommentare to 13. Januar 2009 - Der Wahnsinn hat einen Beruf: Vermieter
[...] Unser letztes Abenteuer jedenfalls gibt es in Kolumenform, denn: Der Wahnsinn hat einen Beruf: Vermieter [...]
Das nenne ich mal einen Vermieter der “Alten Schule”. Unfassbar!
“Pänz?” Aha. Wieder was gelernt. Und? Wie schaut die neue Bude, respektive Wohnung jetzt aus?
*oha* da warst du ja echt human ![]()
Bei mir hätte dieser “Vermieter” ganz andere Worte gehört.
Interessant auch, wenn man bei der Wohnungssuche hört, Hunde wären ja ok, aber bloß keine Kinder… Ich nur: Dann vermieten Sie an Hunde und nicht an Menschen…
Oh das kommt mir ein ganz klein wenig bekannt vor. ![]()
Zu der Wohnung in der ich jetzt Wohne gehörte auch ein Vermieter der “alten Schule”. Dauernd redete er nur mit mir, nicht mit meiner Freundin, auch wenn diese ihn etwas fragte. Er schien etwas überrascht als sie ihm dann auch einen Gehaltsnachweis zeigte…
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- Sebastian: Oh das kommt mir ein ganz klein wenig bekannt vor.
Zu der Wohnung in der ich jetzt Wohne gehörte auch... - Wortman: *oha* da warst du ja echt human
Bei mir hätte dieser “Vermieter” ganz andere Worte gehört....
13. Januar 2009